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Über Bernard Föll

Bernard Föll spricht in seinen Arbeiten aktuelle politische und zeitgeschichtliche Themen an: zu sehen sind die Trümmer der Zwillingstürme in New York, Helikopter, die in den Kriegen des Westens über dem Nahen und Mittleren Osten im Einsatz waren und sind, Einsatzkräfte in Sicherheitsanzügen im nuklear kontaminierten Fukushima, ein Flüchtling, der über einen Hochsicherheitszaun klettert. Drängende Zeitfragen, die Föll in seiner Kunst nicht außen vor lassen kann und will. Diese im kollektiven Gedächtnis verankerten Bilder überlagern sich mit Szenen aus anderen Kontexten: aus seinem umfangreichen Archiv komponiert Föll Abbildungen aus Architektur- und Bauzeitschriften, medizinischen Nachschlagewerken, Schulbüchern aus der ehemaligen DDR oder Wald- und Wiesenliteratur aus nationalsozialistischer Zeit. Dazu tummeln sich Trompete spielende Jazzmusiker von Plattencovern oder verfremdete Figuren aus Werbung und Alltagskultur. Verschiedene, sich überlagernde Zeitschichten tauchen in seinen Werken aus dem ewigen Hintergrundrauschen der Bilder auf. Der Künstler arbeitet dafür mit einer Kombination von Techniken: Grundlage sind Schablonen, in der die oftmals filigranen Figuren mit handwerklicher Präzision ausgeschnitten werden. Er trägt seine Motive mit Frottagetechniken auf, in welchen in mehreren Farbschichten Materialien auf den Bildträger gerollt, gerieben und getupft werden. Der Malgrund wiederum ist nicht immer flächige Leinwand, sondern besitzt beispielsweise als Tapetenmuster bereits eine eigene Textur, in der sich unerwartete florale oder abstrakte Ornamente herauslesen lassen. Teilweise erscheinen die Motive scherenschnittartig präzise, nur um in anderen Momenten an ihren Rändern auszufransen und mit dem Hintergrund zu verschwimmen. Aus dem Kontext gezogenen, werden all die unterschiedlichen Bildfragmente letztlich absurd: keine eindeutig identifizierbaren Zitate mehr, schaffen sie eine neue, komplexe und anspielungsreiche Bildwelt.

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Bernard Föll (*1954 in Stuttgart) arbeitet ab 1974 als freiberuflicher DJ in der Berliner Künstlerszene. Im Umfeld des Boheme-Berlins experimentiert Föll als Schauspieler und Regisseur in den frühen 1980er Jahren in der Super-8 Filmbewegung und ist Teil des inzwischen legendären Milieus von West-Berlin dieser Zeit: geprägt von autonomen Kreativen, Punks und der Hausbesetzerszene, aber auch wie Wenige umfangreich gebildet in Literatur, Philosophie und Musik entwickelt der Autodidakt um 1990 seine eigene Bildsprache in Collagen auf Karton und Acryl auf Leinwand. Neben zahlreichen Ausstellungen in Europa betätigt sich Föll auch als Kurator eigener Gruppenausstellungen.

Alexander Stumm Kunsthistoriker, Berlin

Bernard Föll Pressetext Kurzfassung

 

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